Statement zur geplanten Übernahme von Bombardier durch Alstom

26.02.2020

Liebe Mitglieder und Unterstützer des Vereins WIR für SIEMENS,

durch Medienberichte wurden wir auf die geplante Übernahme der Bombardier Bahntechnik- Sparte durch die Alstom S.A. aufmerksam.

Auch wenn die endgültige Übernahme von Bombardier durch Alstom noch lange nicht feststeht und noch eine Vielzahl von kartellrechtlichen Prüfungen anstehen, könnte die Fusion enorme Folgen für den Markt und damit auch die Bahntechnik-Sparte der Siemens AG haben.

Wir vom Verein WIR für SIEMENS haben bereits in unserem Statement auf der diesjährigen Hauptversammlung auf die gute Position unserer Mobility Sparte hingewiesen und schließen uns der Auffassung des Siemens Mobility Managements an, die Entwicklungen in dieser Angelegenheit zwar aufmerksam zu beobachten, aber dabei nicht die aktuelle eigene positive Situation der Siemens Mobility aus den Augen zu verlieren.

Seit der gescheiterten Fusion mit Alstom hat sich die Mobility unserer Auffassung nach stark entwickelt und ist heute zu einem der Vorreiter im Bereich Digitalisierung geworden.

Aus unserer Sicht passt Siemens Mobility hervorragend zum industriellen Kern des neuen, digitalen Siemens und sollte auch langfristig Kerngeschäft von Siemens bleiben.

Eine mögliche Marktbereinigung stellt zwar eine Herausforderung dar, kann aber auch als Chance begriffen werden, das Angebotsspektrum von Siemens Mobility zu erweitern und die Wertschöpfungstiefe des Geschäfts zu erhöhen.

Redebeitrag von Volker Lang bei der Hauptversammlung der Siemens Healthineers AG

München, 12.02.2020

Sehr geehrte Aktionäre, 

sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands und Aufsichtsrats, mein Name ist Volker Lang. Ich vertrete hier und spreche im Namen des Belegschafts-Aktionärsvereins WIR für SIEMENS“.

Wir begrüßen es sehr, dass die Siemens Healthineers AG mit dem Belegschaftsaktienprogramm an die langjährige Tradition der Siemens AG anknüpft und in diesem Sinne die Eigentümerkultur der Beschäftigten stärkt. Es kann einem doch gar nichts besseres passieren, als in der Belegschaft einen Ankeraktionär zu haben, der die Firma mit dem kürzlich vergebenen Label „Great place to work“ auszeichnet. Meinen Glückwunsch dazu!

Die Bundesregierung plant die Anhebung des Steuerfreibetrages beim Erwerb von Belegschaftsaktien auf 720 € anzuheben. Auch wenn das sicher nicht zu der von Kevin Kühnert als Utopie vorgetragenen Vergesellschaftung der Unternehmen führen wird, meine Frage: Welche Maßnahmen werden von der Firmenseite bereits in Angriff genommen, um diese von der Bundesregierung vorgesehene Verdopplung des Steuerfreibetrages auch im Aktienprogramm 2021 Realität werden zu lassen?

Investitionen & Langfristigkeit

Ein wichtiger Punkt für uns als Belegschaftsaktionäre und auch für mich persönlich ist das Investment in neue Technologien. Die Akquisition im Bereich Robotik bietet spannende Chancen, die Investitionen im Bereich der Digitalisierung möchte ich im Besonderen loben. Allerdings benötigen diese Investitionen Zeit, Früchte zu tragen. 

Insbesondere bei den Digitalen Technologien sind die Vertriebszyklen häufig länger und sind dabei auch noch sehr aufwändig. Das beißt sich sehr mit dem seit dem Börsengang entwickelten Bedarf, Quartalszahlen hohes Gewicht beizumessen. Ich bitte Sie, Herrn Dr. Montag, hier weiterhin mutig, aber auch geduldig und ausdauernd zu sein. In diesem Bereich hat die Firma in der Vergangenheit durch den Verkauf von Unternehmensanteilen Vertrauen verspielt, das nun mühsam aufgebaut werden muss. Beim Betrachten einzelner Unternehmensanteile bitten wir Sie daher, weiterhin eine breite Aufstellung beizubehalten, auch wenn die Profitabilität noch nicht in jedem Teilbereich  auf Zielmarke liegt. Das schafft auch Vertrauen in der Belegschaft.

Meine Frage:

Plant die Firmenseite weiterhin breit aufgestellt zu bleiben um als Lösungsanbieter auch aus eigener Kraft ein möglichst breites klinisches Spektrum, insbesondere in der Routinediagnostik anzubieten?

Mein letzter Punkt richtet sich an den Aufsichtsrat. Die Belegschaft verfolgt mit Spannung die Entwicklung der Vorstandsgehälter. Ganz natürlich wird diese auch immer mit der Entwicklung des eigenen Einkommensbandes verglichen. Dabei fällt doch auf, dass sich seit dem Börsengang der Orientierungswert der Führungskräfte weit schlechter entwickelt hat als die Vorstandsgehälter. Wir bitten hier Maß zu halten und ich möchte fragen: Gibt es Ideen, die Entwicklung der Vorstandsgehälter mit dem Orientierungswert der Führungskräfte direkt oder indirekt zu verknüpfen, bzw. wie soll eine zunehmende Spreizung verhindert werden? Schließlich wollen wir alle, dass Siemens Healthineers auch in dieser Hinsicht ein „Great place to work“ bleibt.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Redebeitrag von Olaf Bolduan bei der Hauptversammlung der Siemens AG

München, 06.02.2020

Wir für Siemens e.V. vertritt als Belegschaftsaktionärsverein berechtigt, aktiv und durch persönliche Präsenz die Stimmen von (Belegschafts-)Aktionären auf der jeweiligen Hauptversammlung im Sinne seiner veröffentlichten Zielsetzungen. Die Stimmrechte ergeben sich aus den ihm per (Dauer-)Vollmacht übertragenen Stimmrechten aus dem jeweiligen Aktienbesitz.

Vorstand Wir für Siemens

Sehr geehrte Aktionäre,
sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands und Aufsichtsrats, mein Name ist Olaf Bolduan. Ich vertrete den Belegschafts-Aktionärsverein „WIR für SIEMENS“, kurz WfS.

Eigentümerkultur und Belegschaftsaktien Die Firmenleitung und gleichermaßen auch „WIR für SIEMENS“ haben sich gegenüber den zuständigen Bundesministerien seit langem stark gemacht für die Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen beim Erwerb von Belegschaftsaktien. Nun endlich ein positives Ergebnis: Der Förderungshöchstbetrag wird von 360 € auf 720 € pro Jahr steigen. Vermuten wir zu Recht, dass die Firmenseite schon jetzt alles tut, dass diese Verdoppelung des Förderungshöchstbetrags beim Basis-Aktien-Programm 2021 berücksichtigt wird?

2019 gab es zum 50. Mal Belegschaftsaktien bei Siemens.
Ein echtes Jubiläum!
Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Eigentümerkultur und diese sozialpolitische Pionierleistung gemeinsam mit WfS gebührend zu würdigen.
Schade, dass all unsere Vorschläge dahingehend abgelehnt wurden.
Lobenswert hingegen, Herr Kaeser, ist das von Ihnen ins Leben gerufene Siemens Profit Sharing. Dieses mit 400 Mio. € dotierte Programm – von Mitarbeitern mit einem Augenzwingern als „Pott“ benannt – ist sehr gut angekommen. Ein Meilenstein in der Förderung der Eigentümerkultur -Weiter so!

Wir schätzen als Ankeraktionär eine ebenso langfristige wie sich wirklich auch lohnende Vermögensanlage an unserem Unternehmen. Wir sehen die Siemens-Aktien eben nicht als Spekulationsobjekt nach dem Motto einsteigen – filetieren – weiterziehen“, wie so mancher aggressive Investor.

Unternehmensstruktur:
Nach Windpower, Healthineers, Mobility ist jetzt Energy das Hauptthema beim Wandel der Unternehmensaufstellung. Diese „Ausgliederitis“ Verunsichert die Beschäftigten bis hin zum Misstrauen gegenüber dem Vorstand generell. Was bleibt denn von Siemens noch übrig, wenn frühere Kerngeschäfte wie Medizintechnik, Eisenbahntechnik und Energietechnik Ausgegliedert wurden bzw. werden? Gilt denn die alte Börsenweisheit, nicht alle Eier in einen Korb legen“ für die bisherige breite Aufstellung von Siemens nicht mehr? Hat nicht so mancher Siemens Bereich nur deshalb überlebt, weil ihn andere Bereiche mit über eine Krise retteten? Ein positives Beispiel dafür ist Mobility, ich komme gleich noch einmal darauf zurück. Die Begründung, dass diese Geschäfte durch Befreiung von den Fesseln der Siemens AG – Bürokratie dynamischer und schneller auf ihren Märkten agieren können, überzeugt nicht. Wenn ein wirtschaftliches Leben unter dem Dach der Siemens AG so bürokratisch eingeengt ist, was hindert den Vorstand der Siemens AG denn daran, diese Fesseln schon am Wittelsbacher Platz zu lösen?
Also: Quo vadis Siemens, läuft am Ende alles doch auf eine Holding-Struktur hinaus? Wir meinen: Der Vorstand muss seine Pläne viel dauerhafter leben und Vertrauen zurückgewinnen. Wir lehnen eine weitere Zergliederung definitiv ab.

Bleiben wir zunächst noch kurz bei Siemens Energy: Dieser akute Fall von „Ausgliederitis“ ist Anlass für erneut viel Unruhe und Diskussionen.
Siemens muss hier dauerhaft Ankeraktionär bleiben.

Ersparen Sie Mitarbeitern und auch allen Anteilseignern ein Schicksal a la OSRAM. Keine weiteren Abspaltungen bei Energy, kein Verkauf von Anteilen an Wettbewerber, keine „Fusion durch die Hintertür“.
Können Sie die verunsicherten Energy-Mitarbeiter beruhigen?
Wie ist die Auftragslage, Kapitalausstattung und Verschuldung beim Start am 1. Oktober 2020? Folgt Energy dem Grundsatz „Firmensitz dort wo produziert wird?“

Windkraft:
Es ist überfällig, die MA der SGRE (Siemens Gamesa Renewable Energy) endlich in ein MA-Aktienprogramm einzubeziehen, wie es ursprünglich einmal zugesagt war.
Wie ist der Stand?

Industrieller Kern:
Sie haben einen industriellen Kern definiert und organisiert.
Konjunktur und Strukturänderungen in vielen Branchen sind momentan für die Geschäfte in diesem Kern schwierig. DI hat zu kämpfen.
Folge: Enormer Druck, man spart an allen möglichen, aber auch unmöglichen Ecken. Uns wird berichtet von Kekserlässen (keine Kekse zu Besprechungen), bereits gestrichenen Weihnachtsfeiern 2019 und weiteren fragwürdigen Einsparungen. Treffen die Informationen von MA zu, dass in diesem Kernbereich sogar Investitionen und Innovationen zurückgestellt oder zeitlich gestreckt werden?
Wir fordern: Kein Sparprogramm bei Innovationen und Investitionen.
Keine Kernschmelze im industriellen Kern.

Mobility: steht gut und stabil wie nie zuvor da. Phönix aus der Asche, stark durch eigenes Können und auch stark gefördert durch die aktuelle Verkehrspolitik. Mobility hat strategische Bedeutung für unser Unternehmen, für die Verkehrswende und Klimapolitik insgesamt.
Nur mit unseren Zügen und Lösungen wird Klimapolitik funktionieren und CO2 im Bereich Verkehr eingespart werden.
Stärken Sie das Geschäft bei Siemens, keine weiteren Versuche mit Fusionen und Champions! Die Beschäftigten bei Mobility wollen konzentriert und in Ruhe an der „Zug-Kunft“ arbeiten! Dazu wäre Ihre klare Aussage „Ihr seid und bleibt Siemens“ gerade hier und jetzt sinnvoll!

Stärken Sie auch wieder den Pioniergeist im Unternehmen!

Warum wurde das Geschäft mit dem elektrischen Fliegen an Rolls-Royce verkauft?

Wachstum und Innovation: Ziel Ihres Programms Vision 2020+ ist Wachstum und Wertsteigerung.
Findet dieses Wachstum auch in Deutschland statt?
Gibt es dafür Pläne?
Wie stellen Sie sicher, dass Siemens-übergreifende gemeinsame Innovationsthemen (z.B. bei der Digitalisierung und auch bei anderen Schwerpunkten) durch Veränderungen in der Unternehmens-Struktur
(Beispiel Energy) nicht be- und verhindert werden? Wir befürchten wieder mehr Silos statt Zusammenarbeit. Für eine gute Idee halten wir Ihre Ankündigung bis 2025 1 Mrd. € für nachhaltige Projekte auszugeben.
Können Sie uns sagen, an welche konkreten Aktivitäten dabei gedacht ist?

Zum Schluss: Fridays for Future / Klimawandel:
Die Klimadiskussion und -demonstration hat den Wittelsbacher Platz erreicht. Der Klima-Dialog muss ehrlich, sachlich und mit Leidenschaft geführt werden und Siemens hat viel Verantwortung.

Herr Kaeser, Die Einrichtung eines Nachhaltigkeitskomitees wird von uns ausdrücklich begrüßt. Siemens – ein grüner Technologiekonzern –
das wollen wir als Verein „WIR für SIEMENS“. Mehr investieren und innovieren – für mehr Klimaschutz und ein noch grüneres Siemens.
Auch wenn es die Marge kurzfristig beeinträchtigt. Langfristig ist dieser Weg für Siemens und uns alle alternativlos.

Werner v. Siemens erkannte schon vor 150 Jahren:
Ich zitiere: „Ideen an und für sich haben nur einen sehr geringen Wert. Der Wert einer Erfindung liegt in ihrer praktischen Durchführung.“
Zitat Ende.
Und diese praktische Durchführung der Umweltrettung geht nur mit uns.
Mit einem stabilen und innovativen Siemens und allen Mitarbeitern im Unternehmen!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Rede WfS HV Feb. 2020 Olaf Bolduan